Theologisch-Pädagogisches Institut (TPI) in Moritzburg

Materialien zur Reformation [www.tpi-moritzburg.de/reformation/]




Katholische Reform und Gegenreformation: (II) Didaktische Hinweise


5 Katholische Reform und Gegenreformation



Didaktische Hinweise



Das Material gewährt Einblick und Theorie und Praxis von katholischer Reform und Gegenreformation im 16. und frühen 17. Jh. Schwerpunkt bilden – schon quantitativ – die Positionen der drei katholischen Autoren zur Krise der katholischen Kirche. Deutlich wird das Bewusstsein innerhalb der katholischen Kirche für die Krise (in z.T. erstaunlicher Übereinstimmung mit Einschätzungen seitens der Reformation). Bei ähnlicher Beschreibung der krisenhaften Situation kommen die drei Texte doch zu unterschiedlichen Lösungsansätzen: Es lässt sich erkennen, dass die katholische Seite – ebenso wenig wie die protestantische – ein einheitlicher Block war. Der Sachverhalt stellt darüber hinaus ein Beispiel für Multiperspektivität dar. Bei der deutschen Quelle bietet sich ggf. eine Zusammenarbeit mit dem Deutschunterricht an.

Sachkompetenz


-Die Schüler lernen exemplarisch die Reformbemühungen innerhalb der katholischen Kirche im 16. und frühen 17. Jh. kennen.

Deutungs- und Reflexionskompetenz


-Die Schüler problematisieren die Differenzierung von katholischer Reform und Gegenformation.
-Die Schüler analysieren die Krise der katholischen Kirche im 16. Jh. und Lösungsansätze aus verschiedenen Perspektiven.
-Die Schüler reflektieren die Wirkung von Rekatholisierungsmaßnahmen aus Sicht von Befürwortern und Gegnern.
-Die Schüler bewerten die historische Bedeutung der katholischen Reformansätze im Zeitalter der Konfessionalisierung.

Medien-Methoden-Kompetenz


-Die Schüler üben den Umgang mit Quellen und Sekundärtexten.
-Die Schüler unterscheiden zwischen normativ-argumentativen und narrativ-darstellenden Quellen.
-Die Schüler lernen Quellen kennen, die aus verschiedenen Perspektiven zum gleichen Sachverhalt argumentieren.
-Die Schüler üben den Umgang mit Bildquellen.

Gegenwartsbezogene Relevanz des Themas


Die Frage nach der Reform(ierbarkeit) der katholischen Kirche hat unmittelbar gegenwärtige Relevanz, aktuell durch die von Papst Franziskus – sowohl durch seine Person, als auch durch seine Impulse –angestoßenen Diskussionen innerhalb der Institution. Der Baustein verdeutlicht, dass sich die Diskussion um die Kirchenreform in die lange Tradition (erfolgreicher oder -loser) katholischer Reform einreiht.
Auch innerhalb der evangelischen Kirche steht der Grundsatz, dass sie immer zu reformieren sei auf dem Prüfstand. Leere Gotteshäuser und die Abnahme der Kirchenmitglieder stellt immer wieder die Frage nach der Gestalt auch der evangelischen Kirche.

Möglichkeiten des pädagogischen Einsatzes


Die „Gegenreformation“ nimmt innerhalb einer Unterrichtsreihe zur Reformation u.U. keinen allzu breiten Raum ein. Der Baustein trägt diesem Umstand insofern Rechnung, als dass die Materialien alle auch einzeln eingesetzt werden können: z.B. M3 als Beispiel aus gegenreformatorischer Praxis. Auch die Auswahl mehrerer Materialien nach Unterthemen ist möglich: etwa der Vergleich von M1, M2 und dem Klausurtext oder der beiden Abbildungen aus M4. Je nach Auswahl ist der (kirchen-)politische Kontext von Lehrerseite her zu ergänzen (z.B. Tridentinum, Augsburger Religionsfrieden). M5 als bewertender Sekundärtext richtet sich eher an Schüler der Sek II. Falls verfügbar kann M5 durch die kontroversen Beiträge von Hubert Wolf (Wolf: Krypta, S. 159-176) flankiert werden.
Die vorgeschlagenen Aufgabenstellungen sind nach Bedarf zu erweitern, z.B. die Bearbeitung von M1, M2 und dem Klausurtext in arbeitsteiliger Gruppenarbeit, die eine Podiumsdiskussion vorbereitet.

Die historische Distanz erschwert u.U. den Zugang zum Material, etwa bei M2 im originalen Wortlaut. Hier macht erst eine gewisse „Übersetzungsarbeit“ die inhaltliche Auseinandersetzung möglich, gleichzeitig wird die Historizität des Materials deutlich. Ähnliches gilt für Entschlüsselung der symbolbeladenen Spottbilder aus M4. Es ist nicht nötig, allen Anspielungen auf den Grund zu gehen (auch den unterschiedlich gebildeten Zeitgenossen erschlossen sich nicht alle Bezüge), schon die plakativen Verweise allein sprechen eine deutliche Sprache: bei M4 Abb. 1 etwa das Wortspiel aus dem Titel oder der „Schweinepapst“. Bei der „Schweineschule“ auf der Abbildung – im engeren Sinne die Schule für die Jesuiten – scheint die Assoziation „Jesuitenschule“, also die Einrichtung von Schulen als zentrales (Kampf)Mittel der Jesuiten, zulässig.

Weiter zu (III) Schülermaterialien »